Der Verdauungstrakt des Pferdes beherbergt Milliarden von Mikroorganismen – vorwiegend Bakterien, aber auch Hefen und andere Mikroorganismen. Gemeinsam bilden sie die Darmmikrobiota, ein echtes Ökosystem, das für das reibungslose Funktionieren des Körpers unerlässlich ist.
Seine Hauptaufgabe besteht darin, dem Pferd eine effiziente Futterverwertung zu ermöglichen. Das Pferd ist ein Pflanzenfresser, dessen Verdauung maßgeblich auf der Fermentation von Fasern im Dickdarm beruht. Ohne seine Mikrobiota wäre es nicht in der Lage, die in Heu und Gras enthaltenen Fasern vollständig zu verwerten.
Während dieses Fermentationsprozesses produzieren Mikroorganismen flüchtige Fettsäuren (Acetat, Propionat und Butyrat), die dem Pferd als primäre Energiequelle dienen. Die Mikrobiota trägt zur Synthese bestimmter B-Vitamine sowie von Vitamin K bei, fördert dadurch die Aufnahme spezifischer Nährstoffe und trägt zur Aufrechterhaltung einer funktionellen Darmbarriere bei.
All diese Funktionen sind für die Gewebeerneuerung unerlässlich. Um kontinuierlich neue Hautzellen, Kollagen, Keratin sowie die Lipide, die die Schutzbarriere der Haut bilden, zu produzieren, benötigt der Körper eine ausreichende Zufuhr von Energie und Nährstoffen. Ein ausgewogenes Mikrobiom trägt daher indirekt dazu bei, die für den Erhalt einer gesunden Haut erforderlichen Ressourcen bereitzustellen.
Über ihre ernährungsphysiologische Bedeutung hinaus spielt die Mikrobiota auch eine Rolle für die Funktion des Immunsystems. Ein Großteil der körpereigenen Immunzellen befindet sich im Verdauungstrakt. Bereits in den ersten Lebensmonaten trägt die Mikrobiota zu deren Reifung bei und unterstützt den Körper dabei, zwischen harmlosen Bestandteilen und tatsächlichen Krankheitserregern zu unterscheiden. Auch im weiteren Lebensverlauf moduliert sie die Intensität der Immunantworten und hilft, ein Gleichgewicht zwischen Abwehrmechanismen und Entzündungsreaktionen aufrechtzuerhalten.
Diese Funktion ist besonders bei der Betrachtung der Haut von Interesse. Die Haut ist nicht bloß eine Schutzhülle; sie ist auch ein echtes Immunorgan, das in der Lage ist, äußere Bedrohungen zu erkennen und rasch eine Abwehrreaktion einzuleiten.
Bei Menschen haben zahlreiche Studien einen Zusammenhang zwischen dem Gleichgewicht des Darmmikrobioms und bestimmten entzündlichen Hauterkrankungen nachgewiesen – ein Phänomen, das als Darm-Haut-Achse bekannt ist.
Bei Pferden ist die Forschung auf diesem Gebiet erst in jüngerer Zeit entstanden. Wissenschaftler haben bereits nachgewiesen, dass die Ernährung die Zusammensetzung der Darmmikrobiota stark beeinflusst; sie untersuchen jedoch noch, inwieweit sich diese Veränderungen auf immunvermittelte Hauterkrankungen, wie etwa das rezidivierende Sommerekzem, auswirken können.
Auch wenn noch viele Fragen offen sind, trägt die Aufrechterhaltung einer ausgewogenen Mikrobiota durch eine angepasste Ernährung zum reibungslosen Funktionieren des Organismus bei. In Kombination mit der passenden äußeren Pflege schafft dies optimale Voraussetzungen für eine gesunde und widerstandsfähige Haut, die ihre Schutzfunktion vollumfänglich erfüllen kann.